Nationalpark Wattenmeer - Weltweit einzigartiges Weltnaturerbe der UNESCO

Das Wattenmeer erstreckt sich nicht nur entlang der norddeutschen Nordseeküste, sondern auch entlang der niederländischen und der dänischen. Der eigentliche Nationalpark Wattenmeer besteht aus drei Nationalparken an der deutschen Küstenlinie: Dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, dem Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und schließlich im Westen dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Letzterer erstreckt sich zwischen den Deichen an der Küstenlinie Niedersachsens bis zu einer Grenzlinie, die an der Seeseite den ostfriesischen Inseln leicht vorgelagert verläuft. Er beinhaltet also Watt- und permanente Wasserflächen, Sandbänke, Strände, Dünen und Salzwiesen zwischen Borkum und Cuxhaven. Mit 280.000 Hektar Fläche ist der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer der zweitgrößte Nationalpark Deutschlands und als solcher seit 1986 als Nationalpark geschützt.

Einzigartiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Das Wattenmeer ist als Lebensraum natürlich vor allem durch die Gezeiten geprägt, doch das ständige Auf- und Ablaufen des Wassers gibt es auf der ganzen Welt. Vielmehr ist der Umstand ein besonderer, dass die norddeutsche Nordseeküste sehr flach ist und wir dann auch noch einen vorgelagerten Dünengürtel vorfinden, der - beispielsweise an den ostfriesischen Inseln zu sehen - als natürliches Küstenschutz-Bollwerk, eben als Wellenbrecher fungiert. Diese Faktoren führen dazu, dass das Wasser langsamer abläuft als an den übrigen Küstenlinien.

Es läuft also das Wasser der Nordsee auf, welches feinste aufgeschwemmte Bestandteile vom Meeresboden und aus Flussmündungen, so genannte Sedimente mit sich bringt. Dieses Wasser kommt in ruhige Küstenbereiche wie dem Wattenmeer mit nur bis zu zehn Meter Wassertiefe und lagert dort diese sehr nährstoffreichen Sedimente ab. Durch das langsame Wiederabfliessen des Wassers werden diese nicht mit fortgespült, sondern bleiben liegen. Zuletzt kommt noch das gemäßigte Klima hinzu, das in seiner Bedeutung für Flora und Fauna die Einzigartigkeit dieses Lebensraumes vor unserer Haustür abrundet.

Funktionen von globaler Bedeutung

Das Wattenmeer ist sehr wichtig nicht nur für heimische Tiere und Pflanzen, sondern für die gesamte Nordsee. So filtert das Watt mit seinen unzähligen, im Wattboden versteckten, Kleinstlebewesen und Mikroorganismen das einströmende Wasser und lässt sauberes in die Nordsee zurück. Der bekannte Wattwurm ist also wohl einer der größten Saubermänner unserer Zeit. Auch andere, nicht direkt hier lebende Tiere profitieren unheimlich vom Nahrungsspeicher Wattenmeer. Gemeint sind die Zugvögel, die während des ostatlantischen Vogelzugs in Ihre Winterquartiere oder zurück hier an der Nordsee mal richtig auftanken können. Einen solch prall gefüllten „Kühlschrank“ finden Sie kaum anderswo. Ohne den wäre der Vogelzug für viele Tiere nicht möglich. Erwähnenswert ist hier auf jeden Fall noch die Bedeutung für viele hier brütende Vögel, für die der Nahrungsreichtum ideale Voraussetzungen bietet.

Was hier so alles lebt

Den Wattwurm hatten wir ja schon erwähnt. Er baut sich seine Behausung im Wattboden, wo er optimal vor Trockenheit geschützt seine Nahrung aufnehmen kann. Des Weiteren wollen wir außer den bekannten Vogelarten wie Austernfischern, den verschiedenen Möwen, dem Brachvogel, den unzähligen Gänsen und Enten den Seehund nicht vergessen. Man sieht Ihn auf Sandbänken, wo er sich von anstrengenden Beutezügen ausruht.

Die artenreiche Pflanzenwelt ist gezeichnet von den Bedingungen des Lebensraumes, mit denen die Pflanzen klar kommen müssen. Die Salzwiesen wurden oben schon erwähnt. Man stelle sich vor, regelmäßig würde man unter kaltes Salzwasser getaucht, müsste sich mit Temperaturschwankungen und dem Salzgehalt arrangieren und wenn es mal trocken ist, dann bekommt man es noch mit dem Wind zu tun. Um dies alles zu meistern, haben Salzwiesen- und Dünenpflanzen Ihre ganz eigenen Strategien entwickelt, die man sich bei fachkundlicher Führung auf den Inseln oder am Festland einmal zeigen lassen sollte. Strandhafer, Schilf, Strand-Dreizack, Portulak-Keilmelde und Queller geben hier beste Beispiele. Schauen Sie aber auch in den feuchten Dünentälern oder an den Übergangen zu den Trockendünen nach Sandglöckchen, Habichtskraut und Wintergrün.

Drei Schutzzonen und der Mensch

Wie ist nun der vorhandene Lebensraum des Menschen in das Schutzinteresse des Nationalparks einzufügen? Dazu hat man drei Arten von Schutzzonen ausgezeichnet. Wenn Sie sich in der Natur auf dem Festland oder den Inseln bewegen, werden Sie oftmals blau-weiße Schilder sehen, dessen Aufschrift verrät, in welcher Zone Sie sich aktuell befinden. Sie können bei Beachtung der Schilder nichts falsch machen und die Natur pur genießen.

Zum ersten wäre die Ruhezone zu nennen, quasi die höchste Sicherheitszone, die 60 Prozent der Nationalparkfläche ausmacht. Hier darf der Mensch nicht einfach hinein gehen, aber auf den markierten Wegen gerne beobachten, ohne zu stören. Wäre hier alles erlaubt, so wäre es, als liefe jemand einfach durch Ihr Schlafzimmer beziehungsweise Kinderzimmer, denn gebrütet wird dort auch kräftig zwischen Frühjahr und Sommer. Vögel und Seehunde würden durch den Stress Ihres Besuchs oder dem Ihres Hundes einfach zu viel Energiereserven für die Flucht verschwenden, die sie sich vorher mühsam angefuttert haben und für Ihren Winterspeck oder Ihren Weiterflug benötigen. Sie wissen ja nicht, dass Sie Ihnen nichts tun.

Die zweite Zone mit etwa 38% der Fläche ist die Zwischenzone. Hier geht es vor allem um die Landschaft. Hier darf zwar herumgelaufen werden, die Natur ist aber auch hier streng geschützt. Das bedeutet, man darf hier keinen Blumenstrauss zusammenpflücken oder Muscheln sammeln. Das Abladen von Abfällen ist selbstverständlich zu unterlassen. In der Brutzeit ist hier aber der Zugang auch nur auf ausgewiesenen Wegen gestattet.

Letztlich gibt es noch die Erholungszone, die zum Beispiel die Strände umfasst. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt, der im Einklang mit der Natur Erholung sucht. Das Wattenmeer kann man sehr gut bei einer geführten Wattwanderung erleben!